„Angekommen in Niamey“



Dr.Michaela Hladik

Flughafen Wien, 03. August 2016, 5 Uhr morgens… endlich war es soweit. Ich muss zugeben, dass ich als“ first-mission-Mitglied“ bei Noma Hilfe Österreich doch aufgeregt war. Nach meiner Erfahrung mit einem missglücktem Einsatz mit einem anderen Team zuvor, wusste ich, wie wichtig ein funktionierendes, harmonisches Team und die Organisation ist. Als ich jedoch gleich so liebevoll von Harald Kubiena, Missionsleiter und Plastischer Chirurg, Ulli Nothegger, Hauptorganisatorin und OP- Schwester und Anneliese Liebhauser, Anästhesieschwester in Empfang genommen wurde, verflog sogleich jegliche Nervosität und ich fühlte mich sofort geborgen. Die Herzlichkeit, die Motivation die mir bereits in den Wochen zuvor bei der Vorbereitung aufgefallen ist, bestätigte sich beim persönlichen Kennenlernen am Flughafen umso mehr und war sofort zu spüren.

Angekommen in Niamey wurden wir von Herrn Mahmoudu, dem Organisationsleiter vor Ort, herzlichst begrüßt und in unsere Unterkunft, das Guesthouse direkt neben der Klinik, gebracht. Die Freude des Teams über das Wiedersehen war deutlich.

Zeitig in der Früh an unserem ersten Tag ging es dann gleich los. Mit Hilfe des einheimischen Teams wurden die OP- Säle vorbereitet, Narkosegeräte geprüft und schließlich fuhren wir ins Kinderheim um unsere kleinen Patienten kennenzulernen.

45 Kinder erwarteten uns. Ein Moment den zu beschreiben mir sehr schwer fällt. Es waren Gesichter die Traurigkeit und Leid erzählten, abgesehen von den „offensichtlichen“ Problemen. Doch nach einem entgegengebrachten Lächeln verwandelten sich all diese Kinderaugen in ein unbeschreibliches Strahlen, voller Kraft und Mut. Ein Augenblick den ich für immer bei mir tragen werde, ich wusste ich bin am richtigen Ort.




Gemeinsam mit Dr. Issa Ousmane, der plastische Chirurg vor Ort, untersuchten wir jedes einzelne Kind, überlegten uns das jeweils nötige Operationsverfahren und planten die Operationen für die kommenden Tage. Leider mussten wir 19 Kinder auf einen späteren Einsatz verschieben, sie waren entweder noch zu schwach oder hatten das Akutstadium der Krankheit noch nicht überstanden. Das Narkose – Operationsrisiko wäre zu groß gewesen.



Dank Unterstützung von Dr. Suleman, einheimischer Anästhesist (man bedenke einer von 20 in ganz Niger mit einer Bevölkerung von 17 Millionen Menschen!) starteten wir am nächsten Tag mit den Operationen. In den nächsten Tagen verstärkte sich unser Team, Andreas Schmidt, Regina und Martin Joniak trafen ein und schließlich konnten wir parallel in zwei OP- Sälen operieren.

Es waren anstrengende Tage, wir führten Sekundäreingriffe bei bereits voroperierten Kinder zur Optimierung der Ergebnisse durch. Diverse lokale Lappenplastiken (Gewebeverschiebungen zur Defektdeckung und Narbenlösung im Gesicht) waren unsere häufigsten Eingriffe.. Distraktoren zur Aufhebung der Kiefersperre wurden gebohrt und wir operierten auch einen freien ALT Lappen (Gewebetransfer vom Oberschenkel mit eigener Blutversorgung ins Gesicht). Nach dieser tagesfüllenden Operation mussten wir in der Nacht nochmal in den OP da die Durchblutung dieses Lappens nicht mehr sicher war. Im weiteren Verlauf zeigte sich aber auch diese Operation erfolgreich.

So vergingen die Tage. Abends, sehr müde aber vor allem glücklich über das Geschaffte, kochten wir gemeinsam, diskutierten, philosophierten und fielen schließlich nach einer letzten nächtlichen Visite mit dem Duft des Moskitosprays und dem Windzug des Ventilators ins Bett. Morgens wieder geweckt, die Hitze des Tages schon ahnend frühstückten wir gemeinsam auf unserer Veranda, meist begleitet von einem Grunzen eines Esels, eines Schafs oder vielleicht war es doch eine magere Kuh? Dies blieb ein Geheimnis da es aus Gründen der Sicherheit nicht möglich war unsere Nachbarschaft zu erkunden.


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Schließlich, die Zeit in einem nicht bemerktem Tempo vergangen, stand unsere Abreise bevor. Zufrieden 26 Kinder bis auf kleinere Wundheilungsstörungen komplikationsfrei operiert zu haben (Andreas und Regina blieben noch weitere 6 Tage) freuten wir uns doch auch gesund nach Hause, zu unseren Lieben zurückzukehren. Wissend, die Kinder zwischenzeitlich wohl behütet von dem einheimischenTeam, nahmen wir Abschied, getröstet von der Gewissheit über ein Wiedersehen und der Fortführung unseres Einsatzes.

„Man kann die Welt nicht retten, sagt der Hartherzige, und rettet niemand.“ Zum Glück dieser vielen Kinder, liebe Spender, teilen Sie diese Einstellung nicht. Erst durch Ihre Unterstützung ist es möglich solche Einsätze durchzuführen. Herzlichsten Dank!

Auch wenn es nur ein kleiner Tropfen im Ozean ist, so konnten wir doch einigen Kindern in diesen 10 Tagen helfen, vielleicht eine Tür in ein „besseres“ Leben öffnen und ihnen ermöglichen wieder essen, trinken und ja, auch lachen zu können.

Für mich kann ich sagen, mein Herz ist gewachsen, bewohnt von einer neuen kleinen Familie, dem Team und ganz vielen Kindern aber vor allem sage ich:


„Ein einzelnes Kind, ist ALLES wert.“



Team
Dr. Harald Kubiena Plast. Chirurg - Head of Mission
Ulli Nothegger Op.Sr - Head Nurse
Dr. Michaela Hladik Plast. Chirurgin
Dr. Andreas Schmidt Interplast Deutschland
Regina Fabian Op Sr. Interplast Deutschland
Anneliese Liebhauser Narkoseschwester
Dr. Martin Joniak Narkose

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